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Politik > Armut und Reichtum

Chancen für alle schaffen

| Bild: Motivbild zum Artikel 'Chancen für alle schaffen'
Foto: Fotolia, mapoli-photo
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„Materielle Armut hat häufig negative Auswirkungen auf eine ganze Reihe von Lebensbereichen. Die verfügbaren materiellen Ressourcen bestimmen über die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, des Wohnumfelds, der Mobilität, der Ernährung und häufig auch über Bildungschancen.“

Deutscher Bundesjugendring: Armut hat junge Gesichter, Jugendarmut in Deutschland überwinden, 83. Vollversammelung 2010, Seite 2.

Ziel der Sozialpolitik: Teilhabe für alle

Rund 15,6 Prozent der Menschen in Deutschland waren 2009 von Armut bedroht.Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. In Deutschland liegt die Armutsgrenze bei Singles bei weniger als 940 Euro im Monat, für Familien mit zwei Kindern bei weniger als 1.970 Euro im Monat. Diese Zahlen stellte das Statistisches Bundesamt in der Publikation "Leben in Europa 2010" vor. Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Kinder, Alleinerziehende und Arbeitslose. Auch die Gruppe der Einkommensarmen wird in Deutschland immer größer. Dies sind unter anderem:

  • Zeitarbeitnehmer,
  • befristet oder geringfügig Beschäftigte,
  • einkommensschwache Selbstständige,
  • Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor.

Hier sind weitere Informationen zu finden.

Bildung und Beschäftigung vermeiden Armut


Alle Menschen sollen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Damit niemand durch das soziale Netz fällt, gibt es Leistungen vom Sozialstaat, welche die Armutsrisiken mildern sollen. Dies sind zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, auch Harz IV genannt, eine Mindestrente sowie die Unterstützung armer Familien. Armut soll sich nicht vererben. Der Schlüssel zur Armutsvermeidung ist mehr Bildung und Beschäftigung. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung, Erwerbslose wieder in Arbeit zu bringen. Darüber hinaus investieren Bund und Länder in mehr Chancengleichheit im Bildungssystem und Berufssystem. Wer einen Schulabschluss beziehungsweise einen Ausbildungsabschluss hat, verfügt über größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wird seltener arm.

Kinderarmut: ein Startplatz in der hinteren Reihe

Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien haben ein erhöhtes Risiko, körperlich oder seelisch krank zu werden. Sie erreichen öfter geringere oder gar keine Schulabschlüsse als Kinder aus wohlhabenden Familien und müssen als Erwachsene häufiger mit Arbeitslosigkeit rechnen – ein Teufelskreis. Laut der Bundesagentur für Arbeit lebten im September 2011 rund 1,64 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die Leistungen der Grundsicherung, also Arbeitslosengeld II, in Anspruch nehmen mussten. Schlimmer noch als der Mangel an Geld wirken sich die sozialen Folgen der Armut aus zum Beispiel das ungute Gefühl, mit den anderen nicht mithalten zu können, und der Frust über die ungleich verteilten Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Das Bildungspaket
Excel-Datei zum Schaubild | Bild: Schaubild mit den sechs Modulen des Bildungspakets.
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Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales
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Mitmachen möglich machen

Sozialer Aufstieg ist nur über Bildung möglich. Will man Armut bekämpfen, muss man in Bildung investieren. Mit dem Bildungspaket unterstützt die Bundesregierung ab 2011 rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Es eröffnet Kindern und Jugendlichen so bessere Lebenschancen und Entwicklungschancen. Weitere Informationen sind hier zu finden.

Armut in Deutschland und weltweit

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland zu. Es gibt mehr reiche und mehr arme Menschen und immer weniger dazwischen. Die so genannte Mittelschicht schrumpft, wenn auch nicht in dramatischem Ausmaß. Aus dieser Schicht stammt jedoch der größte Teil der Steuerzahler und Beitragszahler. Sie ist deshalb für die Stabilität der Sozialversicherungen und für die wirtschaftliche Entwicklung von besonderer Bedeutung.

Im weltweiten Vergleich zählt der Industriestaat Deutschland dennoch zu den reichen Ländern und zu den Gewinnern der Globalisierung, deren Auswirkungen höchst widersprüchlich sind. Die Armut ist insgesamt leicht gesunken, und es sind weltweit soziale Fortschritte zu verzeichnen. Dies spiegelt sich unter anderem wider in:

  • einer steigenden Lebenserwartung,
  • einer sinkenden Kindersterblichkeit oder
  • höheren Einschulungsquoten.

Dennoch steigen die Einkommensunterschiede zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern. Um dieser stetig zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken, sind gemeinsame Leitsätze nötig, die für alle Gültigkeit haben:

  • Sozialstandards,
  • Arbeitnehmerrechte,
  • Zugang zu Bildung und
  • medizinische Versorgung.

Finanzielle Hilfen müssen in Entwicklungsländern vor allem dazu verwendet werden, die Infrastruktur zu verbessern und einheimische Industrien zu fördern. So werden die Menschen in die Lage versetzt, sich selbst ein besseres Leben aufzubauen. Dies wird auch Hilfe zur Selbsthilfe genannt.

Die Arbeitlosenquoten für Deutschland differenziert nach Bildungsabschlüssen und Alten und Neuen Bundesländern
Excel-Datei zum Schaubild | Bild: Horizontales Balkendiagramm Vergleich der Arbeitlosenquoten der Alten und Neuen Bundsländer für Erwebspersonen insgesamt sowie differenziert in die Kategorien'ohne Berufsabschluss', 'mit Ausbildung/Fachhochschule', 'mit Hoch-/Fachhochschule'. Alle Angaben sind in Prozent ausgewiesen.
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Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB-Kurzbericht, qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten 2009.
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Arbeitsaufträge Sekundarstufe II
  1. Ergänzen Sie die beiden Satzanfänge zu einem persönlichen Statement:
    • Ich fühle mich arm, weil ...
    • Ich fühle mich reich, weil ...
  2. Formulieren Sie ein Thesenpapier mit Pro-und-Kontra-Argumenten für folgende These: Eine gute Ausbildung und angemessen entlohnte Arbeit sind die beste Vorsorge gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit. Diskutieren Sie in der Lerngruppe.
Arbeitsauftrag Sekundarstufe I
  1. Versetze dich in die Lage eines armen Jugendlichen deines Alters in Deutschland und eines armen Jugendlichen in einem Entwicklungsland. Schreibe für beide einen Tagebucheintrag, in dem du die Armut, die persönlichen Gefühle und Wünsche des Jugendlichen schilderst.


Stand Juli 2012
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nelchen am 19.11.2009 / 12:00
sehr informatik